Zum Inhalt springen

Was passiert, wenn junge Menschen gemeinsam die Bibel öffnen?

Was passiert eigentlich, wenn junge Menschen sich regelmäßig zusammensetzen, um
gemeinsam in der Bibel zu lesen? Wir haben vier Jugendliche gefragt (Sonia Oprisa, Sophia
Judele, Mirjam Zey, Grigore Sbarcea), wie sie unsere Bibelgruppen erleben und ihre Antworten
zeigen, dass es um viel mehr geht als nur um einen Text.

Der erste Schritt ist oft der schwerste. Warum also überhaupt kommen?

Grig: Die Bibelgruppen schenken uns meiner Meinung nach die beste Möglichkeit, die Bibel mit
unserem alltäglichen Selbst zu besprechen, da wir für einen kurzen Moment direkt aus unserem
täglichen Leben in die Bibelgruppe springen: Schule, Bus, Hausaufgaben – 45 Minuten
Bibelstunde pro Woche – und dann wieder Bus, Schule. In der Bibelgruppe führen wir ausgehend
von einem kurzen Bibeltext ein Gespräch, und das Schöne daran ist das Freestylen, das es hier
gibt. Jeder kann alles sagen – Fragen stellen, Parallelen zum Alltag ziehen –, welche Idee er
auch immer hat – und so kommt es immer wieder zu tollen Gesprächen. Eigentlich eine kurze
Pause zur Entspannung, die aber immer produktiv endet.
Extra: kurzes Gebet zusammen zum Schluss 😉

Und wie ist es für dich, Mirjam?

Mirjam: Ich denke, dass es sich lohnt zu kommen, weil wir interessante und ermutigende
Gespräche über das Wort Gottes haben. Mir persönlich helfen die Treffen mit der Bibelgruppe,
mich daran zu erinnern, dass ich aus der Bibel viel lernen kann, und das Lesen von einer Stelle
pro Woche zusammen mit bekannten Leuten hilft mir auch, zur Ruhe zu kommen vom Stress
des Alltagslebens.

Ok, jetzt da die Frage rund ums “Warum überhaupt teilnehmen?” geklärt ist, sagt uns doch, was
sich so in eurem Leben verändert hat. Gibt es einen Moment oder ein Thema, das euch
besonders berührt hat?

Sonia: Ja, es gibt etwas, das mich besonders berührt hat – aber es war kein bestimmter
Moment, sondern eine Melodie. Eine Kollegin aus unserer Gruppe hat uns einmal ein Lied
geschickt, dessen Text für mich sehr kraftvoll war. Seitdem höre ich es immer dann, wenn ich in
einer Situation bin, in der ich nicht weiterweiß oder mich blockiert fühle.

Die Lyrics, die mich besonders berühren, lauten:

„Ich wusste nicht, dass alles, was ich tun muss, ist, dir ein wenig zu erlauben, mich zu
überraschen –
nicht wegen dem, was du mir geben kannst,
sondern wegen dem, was du getan hast, indem du mich dein Sohn genannt hast.“

Vor allem der Gedanke „să-ți permit puțin să mă uimești“ – „dir ein wenig zu erlauben, mich zu
überraschen“ – bedeutet mir viel. Wenn ich feststecke, erinnere ich mich daran und lasse Jesus
mich mit seinem Plan überraschen, statt alles selbst kontrollieren zu wollen.

Falls jemand das Lied hören möchte: “Calea Ta” von Dima Dimov

Wow, das klingt ja schon sehr begeisternd. Wie sieht es bei Sophia aus? Hast du so einen
besonderen Moment in der Bibelgruppe erlebt?

Sophia: Ein Moment, der mich besonders berührt hat, war, als meine Gruppe gemeinsam unsere
Präsentationen über die Entwicklung des Glaubens gehalten hat. Es war unglaublich spannend
zu sehen, wie jede Person das Thema auf ihre ganz eigene Weise interpretiert hat. Genau das
schätze ich so sehr an der Bibelgruppe: Jede und jeder bringt eine andere Perspektive mit, und
gerade diese Vielfalt macht die Gespräche so wertvoll. Man lernt nicht nur Neues über den
Glauben, sondern auch darüber, wie andere denken und fühlen – und das erweitert die eigene
Perspektive enorm.

Grig: Text oder YouTube-Vid? Oft fühlte ich mich zu weit weg von dieser speziellen Stimmung
der Lager oder Ljmk’s, um noch den nötigen Impuls zu fühlen, mich von allein auf meinem
Glaubensweg zu bewegen. Es ist oft schwer, die nötige Zeit zu finden, um die Bibelapp zu öffnen
und darin zu lesen – das weiß ich. Die Bibelgruppen haben aber gerade diese Distanz
verkleinert, und Schritt für Schritt, Woche für Woche, fühlte ich mich wieder dabei – und ohne
jegliche Mühe, nur indem ich einfach dabei war. Am Anfang können wir alle ein kürzeres
YouTube-Video (die Bibelgruppe-Talks) gebrauchen, um dann weiterhin das Interesse für die
längeren Texte (Bibel[App]) zu wecken. Ich bin schon seit geraumer Zeit Abonnent und ermutige
euch, diese Videos auch einmal anzuschauen.

Und zum Abschluss sagt uns doch: Warum würdet ihr anderen die Bibelgruppe empfehlen?

Sophia: Ich würde anderen Jugendlichen definitiv empfehlen, bei der Bibelgruppe
vorbeizuschauen. Die Treffen finden online statt, sind nicht zu lang und trotzdem jedes Mal sehr
bereichernd. Wir lesen nicht nur gemeinsam in der Bibel, sondern tauschen uns intensiv über die
Texte aus. Dabei entstehen oft richtige „Deep Talks“, in denen man seine Gedanken offen teilen
kann. Es ist einfach ein Ort, an dem man sich verstanden fühlt und ehrlich sein kann.

Vielleicht gibt es ja noch unsichere Personen, hast du für sie einen Ratschlag?

Mirjam: Einer Person, die noch unsicher ist, würde ich sagen, dass die Bibelgruppen schöne
Online-Treffen mit Leuten aus dem Jugendwerk sind, in denen wir einige eher unbekannte
Geschichten aus der Bibel entdecken und die Message von diesen zusammen besprechen. Wir
beten auch zusammen. Diese Treffen dauern ungefähr 40 Minuten und sind hilfreich, die
Alltagsgedanken ein bisschen abzuschalten und auf Jesus aufmerksam zu werden.

Was, wenn sie meinen: „Bibel ist langweilig“?

Sonia: Wenn jemand sagt, die Bibel sei langweilig, dann verstehe ich zuerst einmal, dass jeder
seine eigene Meinung hat. Und ja – manche Stellen können auf den ersten Blick langweilig
wirken, besonders wenn es viele Beschreibungen oder lange Aufzählungen gibt.
Aber die Bibel ist mehr als nur ein altes Buch. Der Sinn und das Gefühl, das entsteht, wenn man
eine Stelle liest, die genau zu deiner aktuellen Lebenssituation passt, sind etwas Besonderes. In
solchen Momenten bekommt man Gänsehaut und spürt: Das ist nicht nur ein Text – das ist
etwas Lebendiges. Es ist, als würde das Wort direkt vor deinen Augen lebendig werden.
Manchmal muss man einfach die „richtige“ Stelle finden. Und wenn du in einer Situation bist, in
der du nicht weißt, wie es weitergehen soll, dann öffne die Bibel – vielleicht sogar ganz spontan
– und lies. Oft spricht genau dieser Abschnitt in deine Situation hinein.
Die Bibel ist nicht langweilig. Manchmal braucht es nur Offenheit – und den Mut, ihr eine echte
Chance zu geben.

Unsere Bibelgruppen sind kein perfekter Ort für perfekte Christen, sondern ein Raum für echte
Menschen mit echten Fragen.
…Und du? Wann hast du das letzte Mal bewusst in der Bibel gelesen?

 

Hannah Hellmann